Fleischfressende Pflanzen in Haus und Wohnung

Es wird viel darüber gefachsimpelt ob und wie fleischfressende Pflanzen im Haus oder in der Wohnung gedeihen, aber eigentlich ist es ganz einfach, grundsätzlich kann man sagen:

Im Haus gedeihen meiner Erfahrung nach nur das Fettkraut und dann auch nur die handelsüblichen Hybriden und nichts außergewöhnliches.

Kannenpflanzen im Terrarium


Kannenpflanzen sind auch nur fürs innere zu empfehlen, und dann unbedingt in einem gut beleuchteten Terrarium; die brauchen ne hohe Luftfeuchte und viel Licht. Lassen sich gut mit Moosen, Farnen und Orchideen kombinieren, aber Tiere kann man in einem solchen Pflanzenterrarium nicht halten - ich denke du kannst dir denken, warum (auch wenn ich in meinem Nepenthes-Terrarium mal eine Zeit lang eine übrig gebliebene Hierodula-Mantis hatte, die nie so blöd war in die Kannen zu fallen und irgendwann an Alterschwäche verreckt ist)

Fleischfressende Pflanzen im Garten


Die meisten anderen Pflanzen die man im Baumarkt kaufen kann - Sarracenien, Venusfallen, Sonnentau- hingegen müssen unbedingt raus da sie längerfristig im Zimmer einfach absterben, aber auch da ist de Kultur nicht so schwierig wie oft behauptet wird, es gibt eigentlich nur sechs Grundregeln:

1. pralle Sonne, je praller desto besser. Ein Garten mit Moorbeet ist optimal, aber außen auf der Fensterbank reicht auch, Hauptsache Sonne. Generell mögen alle Karnivoren dies, ausßer die Kannenpflanze, die nämlich nichts für außen ist, es sei denn du wohnst im Dschungel.

2. die Füße jedoch müssen IMMER nass sein. Es sind Moorpflanzen, und das Wasser muss immer stehen. Da die Pflanzen jedoch in der prallen Sonne stehen und der Flüssigkeitsverlust zum Teil immens ist, muss man das Ganze eben immer kontrollieren, austrocknen ist tödlich. Am besten in ein großes, dicht abschliessendes Gefäß pflanzen oder wirklich überdimensionierte Untersetzer benutzen, das Wasser muss wirklich immer stehen (halb untertauchen brauchst du die Pflanzen trotzdem nicht,  sie wollen halt wie schon gesagt "nasse Füße")

3. Wo wir schon beim Wasser sind: Ausschließlich Regenwasser oder destilliertes Wasser verwenden. Alles andere, vor allem hartes Leitungswasser, bringt deine Pflanzen über kurz oder lang um. ABSOLUT TÖDLICH. Die Pflanzen stammen aus Moorgebieten, dort ist das Wasser eher säuerlich und sehr arm an Mineralstoffen und Nährstoffen.

4. womit wir schon eine Überleitung zum nächsten Punkt haben: Nur Torf oder spezielle Karnivorenerde verwenden! Blumenerde und Dünger sind absolut tabu - deine Pflanzen verrecken jämmerlich.NIE, ABSOLUT NIE düngen!

5. die Pflanzen, vor allem Venusfallen, NIE absichtlich füttern oder an den Fallen rumspielen. Ja gerade dass macht ja die Faszination aus, verstehe ich ja, aber für die Pflanze bedeutet das unnötigen "Stress" und im Ernstfalls verreckt sie dadurch oder durch ungeignete Nährstoffe durch Fleisch (weil manche Schlaumeier meinen, die Pflanzen mit ihrem Abendessen zu füttern). Im Freiland fangen sich die Pflanzen selbst genug Insekten.

6. Vor dem ersten ernsten Frost müssen die Pflanzen in ein Winterquartier, kühl und hell. Am Besten ne Waschküche oder ein etwas kälterer Wintergarten. Nicht mehr ganz so viel giessen, aber auf jeden Fall feucht halten. Die Arten sind unterschiedlich winterhart. Die handelsüblichen Sonnentau-Arten und Fettkräuter müssen sogar rein bevor die Temperaturen unter fünf Grad fallen und eher in der Wohnung überwintert werden, wobei Sonnentaue da recht empfindlich sind gegen die trockene Wohnungsluft.

Venusfliegenfallen, manche Arten von Sonnentau und vor allem Sarracenien hingegen sind bedingt winterhart, Sarracenien sogar extrem, teils halten sie bis zu -15° aus, man stellt sie aber dennoch jedes Jahr vor dem ersten Frost in ein Winterquartier, um ganz sicher keine Ausfälle zu haben; außerdem sterben dann die grünen Pflanzenteile nicht ab und die Pflanze braucht im Frühjahr nicht so viel Kraft um wieder komplett auszutreiben.